Hiking & Skinny Dipping Japan-Style
- Yudanaka
- 10. Okt. 2018
- 3 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 2. Okt. 2020

Bevor wir zur Action kommen, Die Japaner stehen auf ihre Kirschblüten, zugegeben das ist auch etwas mega Schönes. Wir lernen, dass aber auch der Herbst hier gefeiert wird. Das ist die Zeit, wenn die Blätter der Bäume eine rötliche Farbe annehmen, bevor sie im Wind zu Boden fallen. Zu dieser Zeit zieht es halb Tokio übers Wochenende aufs Land, wo sie das Spektakel mit ihren übermässig-grossen Kameras festhalten oder einfach Wandern gehen. Natürlich haben wir genau so ein Weekend erwischt und in Nagano selbst ist alles ausgebucht, weshalb es uns nach Yudanaka, ein Onsen-Dorf am Rande des Shiga Kogen Skigebietes. Hier wurde damals der Olympische Riesenslalom ausgetragen. Ich kann mich noch sehr gut an die Spiele in Nagano erinnern, es waren meine Ersten, für die ich alt genug war um zu verstehen, warum die Schweizer in Käseoutfits einen Hügel runterfahren. Trotzdem wussten wir hier zuerst nicht, was wir machen sollten. Die freundliche Rezeptionistin im Hostel empfahl uns ganz einfach: Geht doch wandern – Und so sollte es sein.
Mit dem Bus ging es den Berg hoch und wie immer wenn wir etwas sehen wollen, dann hängt da Nebel. Es wird langsam echt gspässig. Zudem ist es heute nur circa 12 Grad. Nach all der Hitze fühlt sich dies aber super an und wir sind gerade noch warm genug gekleidet (nicht, dass wir wieder krank werden). Nach gut einer Stunde Busfahrt inklusive mühseligem umsteigen, waren wir am Trailhead zum Onuma-Pond-Hike. Der Trail führte uns auf gut präparierten Pfaden hoch zum See. Wir durchstreifen einen Wald, der vom Herbst gelb-rot gefärbt ist und sind erfreut, als wir den in den Nebel gehüllten See entdecken und für einmal trägt der weisse Schleier zum Erlebnis bei. Es ist faszinierend hier zu Wandern, denn die Berge sind unseren sehr ähnlich. Aber die leicht andere Vegetation ergibt ein Bild, dass wir so noch nicht gesehen haben. Zudem riecht es herrlich herbstlich. Kurz bevor wir den Rückweg antraten, lichtete es sich und gab den Blick auf ein Torii frei. Eines dieser typisch roten Japanischen Holztore, die den Eingang zu einem Tempel symbolisieren. Aber dieses war draussen auf dem Wasser. Ein wunderbar mystisch, zu gleich romantischer Anblick. Als wir wieder daheim aufschlagen, sind wir müde und die Muskeln tun schon ein bisschen weh. Aber auch dafür gibt’s hier in Yudanaka die perfekte Lösung: ab ins Onsen!
Yoroduya-Onsen
Wir sind hier in einem klassischen Onsen-Dorf. An vielen Ecken sprüht der Dampf aus dem Boden und Häuser wie aus dem japanischen Bilderbuch beherbergen Badegäste, die dann wenn es dunkel wird in ihren Holzschuhen und Kimonos durch die Strassen ins nächste Badehaus schlendern. Ins weiche Licht der Lampions gehüllt, werfen sie lange, geisthafte Schatten und malen so eine Szene, wie man sich das alte Japan vorstellt.

(Bild von der Website. Fotografieren ist im Onsen logischerweise untersagt.)
Es gibt seit Jahrhunderten, wenn nicht länger, eine sehr traditionelle Badekultur. Angefangen mit den öffentlichen Badehäusern, da viele Haushalte schlicht kein eigenes Bad hatten, wurde das ganze in alle möglichen Stufen des Luxus verfeinert. Prinzipiell ist hier nach Zen alles sehr rituell und der Erfolg basiert auf der Wiederholung. Wir waren ein bisschen nervös vor unserem ersten Onsen-Besuch, denn man möchte nicht negativ auffallen.
See and learn. Diese Herangehensweise sollte uns zum Erfolg verhelfen. Nach Geschlechtern getrennt ging es ins Bad, Klamotten und Wertsachen werden deponiert. Dort wäscht man sich zuerst sitzend auf einem Holzschemel und geht dann ins warme Bad. Uns fällt dabei beiden auf, wie viel Zeit hier ins gründliche Waschen fliesst (etwa 15 Minuten) und wie wenig ins eigentliche Baden (5-10 Minuten). Wir passen das Ganze dann etwas unseren Gewohnheiten an und lassen unsere müden Gebeine etwas länger im warmen Wasser sieden.
Wir lauschen ab und an wie westliche Touristen darüber diskutieren, wie strub es für sie ist, in einem Bad nackt zu sein. Man merkt hier ganz schnell wer vom Amerikanischen Kontinent kommt und wer Europäer ist – sprich Erfahrung mit Nacktheit nicht nur vom College her hat. Wir finden es schön, dass auch diese Leute hier die Möglichkeit haben herauszufinden, dass alles ganz normal ist.































































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