top of page

Die Suche nach dem Insel-Paradies

  • Pulau Perhentian Kecil
  • 24. Sept. 2018
  • 4 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 2. Okt. 2020


Es war okay weiter zu reisen. Die Cameron Highlands waren nicht ganz das, was wir uns vorgestellt haben oder wünschten. Besonders ich bin etwas schwierig abzuholen, weil es mich nervt, dass ich nun zum dritten Mal mit einer mühsamen Erkältung rumlaufe. Zudem habe ich in meinen Jahren als Backpacker viel gesehen und erlebt und bin oftmals etwas schwierig zu begeistern. In dunklen Momenten wünschte ich mir bereits in Japan zu sein, wo man nicht die Haupteinnahmequelle ist, wo die Leute nicht bereits auf einen (oder sein Geld) warten. Wo man essen kann, was man will und sich keine Sorgen um Hygiene oder so machen muss. Es braucht nun was für die Seele.

Praktisch jeder Mensch hegt den Traum der einsamen Insel. Sand, ein paar Palmen und eine Hütte. Peter Reber sang damals: „Jede brucht si Insle“. Er könnte nicht richtiger liegen. Nach all dem Reizüberfluss wünscht man sich etwas abgeschlossenes, überschaubares, mit wenigen aber guten Möglichkeiten sich und den Geist auszuruhen. Wir versuchen unser Glück auf den Perhentian-Inseln an der Ostküste Malaysias. 6 Stunden holperige Busfahrt führen uns vor Augen, wie das letzte bisschen Regenwald Palmölplantagen weichen muss, zuerst nur ein bisschen, dann ca. 100 Kilometer am Stück ziehen monotone Plantagen am Fenster vorbei. Die toten Bäume treiben die Flüsse hinunter um weiter unten von den Firmen wieder aufgelesen zu werden. Dort werden sie auf die Trucks geladen, welche diesen Eindruck noch verstärken. Mehrere Unterbrüche, während welchen fleissig Kühlwasser nachgeleert werden muss und 30 Minuten mit dem Speedboat, bringen uns schlussendlich ans Ziel.

Als wir uns den Inseln nähern, wird das Wasser unter uns immer blauer. Das Sonnenlicht sticht durch die Oberfläche und wenn die Spiegelung nachlässt, kann man direkt auf den Meeresboden sehen, so klar ist es. Die Inseln sind bewaldet und neben ein Paar Luxusresorts und Budgetunterkünften, hält sich hier alles in positiven Grenzen. Unsere Unterkunft ist am oberen Zipfel von Kecil, der kleineren der beiden Inseln. Wir fahren in die Bucht ein und alles um uns wirkt wie im Paradies.

Der erste Eindruck war super, der zweite dann weniger. Die Unterkunft ist (wie alle auf der Insel laut Tripadvisor) nicht gepflegt. Sie kostet zwar nur 25 Fr für den Bungalow die Nacht. Wer aber schon mal in der Gegend war, der weiss, dass dies schon beinahe Wucher ist. Der Bungalow darf schon basic sein, wenn hier aber 10 Staff herumrennen, die komplett unbeschäftigt und gelangweilt wirken, dürfte man schon erwarten, dass es zumindest ein bisschen sauber ist – oder mindestens das Bier im Kühlschrank aufgefüllt. Es gibt kein Bier mehr! Zu Erkennen, was hier für ein Potential verschenkt wird, ist schon beinahe frustrierend. Wir sind zu Beginn etwas enttäuscht und schlafen nicht so gut.

Als es in der Nacht plötzlich zu stürmen und stark zu regnen beginnt, hoffen wir, dass dies unsere Zweifel wegwäscht und es uns hier gefallen wird.

Am nächsten Morgen hat’s dann aufgehört zu regnen und die Sonne rückt die Insel ins richtige Licht. Wir fangen also an, die Insel zu erkunden. Hinter den Bungalows befindet sich ein kleiner Trampelpfad, der einem durch den Dschungel auf die andere Seite der Insel führt. Dort finden wir den Turtle Beach. Diese 10 Minuten Fussmarsch reichen auf dieser Insel schon um komplett alleine zu sein. Wir finden schneeweissen Strand, klares Wasser und zig kleine Fische, die sich bereits bei den ersten Schritten ins angenehm warme Wasser um die Füsse tummeln. Sowas sieht man sonst nur im Aquarium. Das Erklimmen des kleinen Felsvorsprungs am Ende liefert den perfekten Ausblick und somit den Beweis, dass dies der perfekte Paradiesstrand ist. Als Backpacker oder einfach als Träumer daheim, hat man stets den Wunsch, einmal so einen Strand zu finden. Es gibt sie wirklich. Und wir sind an einem davon.

Gepackt von der Euphorie über diesen Fund gehen wir später zurück zur Unterkunft und leihen Schnorchel und Maske aus um den hauseigenen Strand zu erforschen. Wir sollten nicht enttäuscht werden. Bereits wenige Meter im Wasser beginnt das Korallenriff, das erstaunlich gut intakt ist. Bereits beim ersten Schnorcheln entdecken wir einen Riffhai, Stachelrochen und zig Papageienfische um mal die zu nennen, die wir von den Bildern im Restaurant kennen. Dies ist ein wunderschönes Erlebnis, das die anfänglichen Zweifel und negativen Seiten des Archipels zur Seite wischt und einen akzeptieren lässt, dass nicht alles perfekt sein muss, wenn man dann solches geboten bekommt.

Das Salzwasser tut der Erkältung gut und der Vibe hier auch. Man muss manchmal erst wieder lernen runter zu fahren und das Negative zu akzeptieren oder es zumindest nicht stören zu lassen. Wir geniessen die Zeit mit schwimmen, lesen fleissig und halten die Bude vom Sand frei, den wir mit rein tragen. Unsere einzige Sorge die nächsten Tage wird es sein, ob das Wetter so gut bleibt oder ob die ersten Ausläufer des Monsun uns besuchen werden. Können wir ausschlafen?

Der lokalen Fauna merkt man noch nichts an. Die Eichhörnchen knabbern an Kokosnussresten, die Fische an Korallen und der Riesen-Waran (locker 1.10m lang) läuft im Salamandergang quer über den Strand, auf der Suche nach Schildkröteneiern.

Kommentare


Anchor 1
DER AUTOR - LUKAS MARCHESI

Individueller Massentourist, Tourismusfachmann und Ex-Polygraf mit der Liebe zum Entdecken und Festhalten in Wort und Bild. Süchtig nach Reiseideen. Kennt den ÖV der Welt auswendig. 
Tatsächliche Reiseerfahrung von 1400 Reisetagen Weltweit. 

​© 2020 - Operation Rückenwind by Lukas Marchesi

bottom of page